November 2017

Reisebericht 13. bis 22. November







Anreisetag, Montag, 13. November


Wer war denn diesmal alles mit?
Von rechts nach links: Monika Althausen, Gudrun, Martha Löhle, Ehemann Klaus und Roland


Unsere Gruppe



Die Anreise nach Gambia verlief nach Plan. Aufstehen um 2.00h, Abreise mit dem Flughafentaxi von Astrid um 3.20h zum Flughafen nach Stuttgart, von dort mit dem Flugzeug nach Brüssel. Ankunft in Yundum, dem Flughafen in The Gambia um 18.30 h, mit 1 Stunde Zeitunterschied.
Am Flughafen in Banjul dann die böse Überraschung: 2 Koffer fehlen, der von Martha und ausgerechnet der mit dem Insulin!!
Die Formalitäten dauern, im Bakotu-Hotel sind wir erst kurz nach 21 Uhr angekommen.
In der Nacht kam die Mail, dass der Koffer in Brüssel steht...ein Hoffnungsschimmer (:- ?
Ein bißchen Zusammensitzen im Hotel, Koffer auspacken, um Mitternacht doch etwas erschöpft ins Bett.

Gudrun und ihr Eversense-CGM hat in Gambia trotz Sonne, Hitze, Staub und Luftfeuchtigkeit nie seinen Dienst aufgegeben!





Memorandum von Roland


Wenn ihr diesen Reisebericht gefunden habt und lesen werdet, liest sich vieles sehr positiv, manchmal vielleicht auch lustig. Wir hatten neben vielen tollen Erlebnissen auch traurige Erfahrungen gemacht, natürlich!
Wir haben den Eindruck, dass ganz Gambia alle Diabetiker in die Pakala-Klinik schickt, und viele kommen ohne 1 Dalasi dort an. Das bringt Dr. Gaye oft in Schwierigkeiten, denn er als Arzt muss ja helfen.
Und wir, als ein kleines Rädchen dort, versuchen das natürlich auch! Aktuell haben wir die Behandlungskosten von Sait Dem übernommen, einem Typ1er, wo uns vor 2 Jahren Informationen vorlagen, dass er eigentlich nicht mehr am Leben sein sollte (sorry).
Abgemagert, mit etlichen Abzessen übersät, saß er am Samstag (18.11.) in der Ambulanz der Pakala. Ein Wundspezialist hatte aus zwei dieser Bollen den Eiter entfernt.
Die Bilder erspare ich euch! Heute, am 27.11., wird er entlassen, und Lamin wird ihn Morgen daheim besuchen.

Weiterhin sind wir sehr froh, dass Dr. Gaye hinter der ICT steht. Bis auf ein paar wenige Chaoten sind die HbA1c-Ergebnisse in dieser Gruppe immer besser, als die in der CT-Gruppe. Da liegen die meisten Ergebnisse (bis auf 2 Ausnahmen) immer >14%, das sind mindestens Durchschnittswerte von 400mg. Wie soll ein Mischinsulin auf ein Leben adaptiert werden, wo am Nachmittag zwischen 14 und 15 Uhr Mittag gegessen wird, und am Abend zwischen 20 und 22 Uhr das Dinner in der Familie verzehrt wird?
Wir brauchen eure Unterstützung weiterhin - mehr denn je - für den Ausbau der ICT!!
Danke!!




Dienstag, 14.11., Weltdiabetestag


Heute ist Weltdiabetestag!! Wir mussten früh raus, um 8.30h ging es schon zum Treffpunkt GamCell (gambianische Telefongesellschaft) in der Kairaba Avenue. Der Marsch mit der Musikkapelle vorne dran ging los um 10.30h bis zum YMCA-Gebäude, etwa 2 Kilometer um ein paar Ecken.
Lamin Dibba ("unser" Diabetiker) hatte zusammen mit wenigen weiteren Beteiligten alles bestens organisiert (nicht vergleichbar mit 2016...). Alles war da: geschätzte 150 Menschen, davon viele mit Diabetes , Dr. Gaye, Vertreter aus dem Gesundheitsministerium, die Tshirts, Zelte, Stühle, Getränke, ein Imbiss, die Technik, zwei Blutzuckermessstände usw...
Einige wenige Ansprachen, nicht zu lange...
Schauen sich die Bilder an - alle waren happy...
Das Programm finden sie hier.
Hier finden sie Lamin Dibba's Bericht über den 14. November.

Die Menschen in The Gambia beklagen sich, dass es ständig langandauernde Stromausfälle gibt...Deshalb gab es unser Abendessen im nahegelegenen Paradise-Restaurant bei Kerzenschein - mit Gas kann auch gekocht werden!




Ach ja - fast vergessen. Für Klaus haben wir am Strand einen Frisör gesucht - und gefunden. Die Haare wurden immer kürzer - Martha hat ständig "stop" gerufen.







Mittwoch, 15.11.


Ein ruhiger Tag heute....Gudrun und Klaus haben etliche Orangen ausgepresst, die wir geschenkt bekommen haben. Es ging zum Strand, Roland musste noch einige Sachen organisieren für die nächsten Tage. Am Nachmittag kam Lamin Dibba, wir haben seinen Vertrag verlängert, er wird auch 2018 Familien mit Diabetikern besuchen und in der Pakala mithelfen.
Kwamla Elliott kam später, und wir haben die Auslagen für die Schulgelder beglichen. Er wickelt für uns die Finanzen ab, ohne ihn wäre manches sehr schwierig!
Am Abend sind Klaus und ich zum Flughafen gefahren, um nach dem Koffer für Martha und unserem Insulinkoffer zu fahnden..
Beide waren heute Abend angekommen, die Freude war groß!
Der Alukoffer mit dem Insulin stand im Zoll... es wurde schwierig, ihn auszulösen (auf dem Bild haben wir ihn im Hotel aufgemacht. Alles ok! Obendrauf das Insulin, das wir immer mal wieder von netten Einrichtungen kostenlos bekommen. Unten drin das, was wir gekauft haben.)
Der Zollbeamte meinte, eine Privatklinik (wie die Pakala von Dr. Gaye) gäbe nie Medikamente kostenlos her!
Am Ende konnten wir ihn ohne Zollgebühren mitnehmen!
Im Flughafen haben wir Kebba getroffen, da hatten wir eine Geldübergabe organisiert - im Auftrag von Renate.





Donnerstag, 16.11., Soooo, Kabafita!!


Monika Althausen ist mit uns mitgereist. Natürlich sind wir ihrer Einladung gefolgt, das Projekt "Kindergarten Wattenscheid" in Kabafita/Brikama anzuschauen.
Um 9 Uhr ging es los. Awa, die Leiterin, hat uns empfangen, und uns alles gezeigt. Ein echtes Vorzeigeprojekt, mit Klassenräumen, tollen LehrerInnen, Küche, Garten, Aufenthaltsräumen.
Es ist schon beeindruckend, wie die Kinder dort lernen: beim Singen das "ABC", die Monate, usw.
Nach 35 Jahren Existenz wird immer noch erweitert, es steht auf kräftigen Beinen. Auch Einblicke in die Finanzierung wurden uns erzählt. 450 Kinder zwischen drei und sechs Jahren werden hier betreut, jährlich werden 150 Kinder aufgenommen, die Sechsjährigen kommen dann in die Grundschule. Die Betreuung dort ist für die Eltern kostenlos.
Der Fahrer vom Kindergarten, Lamin, hat uns noch seine Frau und seinen Compound vorgestellt, in Manduar, dort, wo wir im April das Diabeteskamp hatten.
In Brikama selbst haben wir die Familie von Bakary Sanneh besucht. Sie versuchen grad, zwei Formulare zu bekommen, damit er und Christa in Deutschland endlich heiraten können.





Freitag, 17.11. - Präventionstag


Heute waren Schulen dran. Sukai Kah (Pakala Klinik), Lamin Dibba und Salieu John hatten das vorbereitet. Es sollte vor Lehrern und Schülern über Diabetes informiert werden.
Früh aufstehen, um 7.45h bin ich mit dem Abou-Taxi vom Hotel los. Die erste Schule war in der Nähe des YMCA, da, wo am 14.11. der Treffpunkt für den Weltdiabetestag war. Wir trafen dort eine geordnete Schüleraufstellung (400?) mit all ihren Lehrern. Sukai hat vorgetragen, was Diabetes ist, wie er vermieden werden kann, und auch gefragt, ob es in der Verwandtschaft Diabetiker gibt. Da haben etliche mit dem Kopf genickt. Lamin Dibbas Beitrag war seine eigene Diabetesgeschichte. Ich habe die beiden wichtigsten Punkt nochmals erklärt (Medikamente, Insulin, Messung), und was wir in Deutschland tun, damit Typ1-Diabetiker hier versorgt werden können. Denn nach wie vor gibt die Regierung kein Geld für die Behandlung des Diabetes aus.
Im Anschluss haben wir dem gesamten Lehrerkollegium den Zucker gemessen, bis auf zwei Auffälligkeiten hatten alle gute Werte zwischen 4.4 und 6.2




Weiter ging es zur nächsten Schule nach Banjul, wir haben Salieu John (Sekretär der GDA - Gambian Diabetes Association), selbst Lehrer, in seiner Schule abgeholt. Zwischendrin ein Vesper für Lamin besorgt, der hatte noch kein Frühstück. Von dort sind wir in eine Schule nahe am Hafen. Dort wusste der Schulleiter nichts davon. Nett, wie viele in Gambia sind, hat er einen Lehrer mit Schulklasse holen lassen. Wir sind unsere Diabetesinformationen losgeworden, und dann gab es bei 50 Schülern einen Blutzuckercheck. Alles gut.




Ein bißchen noch an den Strand nach der Rückkehr für Roland, der Rest der Gruppe hatte eh einen Strandtag. Am Abend ging es wieder ins romantische Paradise, direkt am Strand des Atlantik, unweit unseres Hotels. Bei Kerzenlicht haben wir unser Abendessen genossen, Barrakuda und Chicken...




Samstag, 18.11.


Nur 1 Wochenende in Gambia, deshalb ging es heute Morgen gleich los zur Pakala-Klinik. 22 Diabetiker waren in die Klinik eingeladen. Gestartet sind wir gleich um 10h, waren pünktlich dort. Der Ablauf ist ja immer etwa gleich, deshalb erspare ich mir die Details. Könnt ja die Bilder anschauen!
Etliche Langzeitzuckerwerte sind wieder viel zu hoch, >größer 14%, vor allem in der CT-Gruppe. Das bedeutet, dass sie auch weit über einem Durchschnittswert von 400mg/dl liegen können. Es gab auch traurige Dinge dort. Bei einem jungen Typ1er, Sait Dem, den jemand vor 2 Jahren für tot erklärt hatte, wurde aus einigen Abzessen in der Klinikambulanz der Eiter ausgequetscht. Er hat es tapfer ertragen. Sein HbA1c haben wir nicht gemessen, bei den dünnen Armen und Beinen können wir das Ergebnis abschätzen. Die Behandlungskosten der Klinik haben wir übernommen.
Zwischendrin ist die Sicherung am HbA1c-Messgerät durchgebrannt, weil wegen mangelnder Stromversorgung der Generator angesprungen ist. Das Ersetzen hat gedauert.
Am Ende waren es dann 38 Personen, die wir gemessen haben.




Martha, Klaus und Monika wäre es sicher langweilig geworden. Sie hatten mit unserem Taxifahrer Abou und mit Samba gute Führer in Banjul, und haben unter anderem den Albert-Markt besucht.
Mit der Einladung zu Eliman (Leiter des Gudrun Medical Lab) ging dieser Tag zu Ende.





Sonntag, 19.11.


Heute Morgen haben wir uns zunächst nach Brufut aufgemacht, um Sheriff Sanyang sein Material zu bringen. Einen Teil seiner Ausbildung zum Elektriker haben wir aus der Vereinskasse finanziert. Eine Schlagbohrmaschine, ein Schraubendreherset, Spannungsprüfer und diverses Installationsmaterial haben wir ihm besorgt und übergeben. Weiter ging es nach Gunjur, um drei Familien mit Diabetikern zu besuchen. Die Familie von Abdulrahmen Jatta (das hat gut gepasst, denn die Stromleitung in seinen Nähshop funktioniert nicht mehr, da haben wir gleich Sheriff vermittelt...), dem Schneider, die Familien von Musa Sanneh (er studiert fleißig) und Zainab Barrow, einem Mädchen mit Typ1, die mogoloid ist. Sie wohnt in ihrer Familie (die haben eine entfernte Verwandtschaft zum Präsidenten Barrow) in einem aufgeräumten Compound, alle sind sehr nett! In jeder Familie haben wir einen 50kg-Sack Reis gelassen.




Anschließend haben wir Arafang besucht. Er lebt nur noch mit seinem Sohn Edrissa auf der Farm, seine Frau mit den 3 Kindern ist zu ihrer Familie zurück nach Brikama. Das Bohrloch ist nach 1 Jahr immer noch nicht fertig! Ansonsten wachsen seine Orangenbäume und tragen Früchte.





Montag, 20.11.




Fatou Janha

Heute sind wir zu Familien, die wir noch nie besucht haben. Lamin Dibba haben wir in Serrekunda aufgegabelt, dann sind wir zunächst in die Familie von Fatou Janha. Fatou ist 21 Jahre alt, wohnt in Abuko, und ist seit ca. 2 Monaten auf ICT. Ihr HbA1c ist schon besser geworden, jetzt bei 10%. Sie geht noch in die Schule. Kennen tun wir schon seit über 10 Jahren! Sie hat mittlerweile kaum noch eigene Zähne, wir werden schauen, ob wir helfen können!



Ndey Fatou Bah

Ndey Fatou Bah hat erst seit ein paar Monaten Typ1-Diabetes, spritzt 30/70 und ein Mahlzeiteninsulin. Sie möchte gerne nähen lernen. Das geht erst wieder ab September 2018, dafür werden wir sorgen.



Fatima S. Mendy

Fatima S. Mendy haben wir mit ihrer Mutter in ihrer Schule besucht. Das Schulgeld war noch nicht bezahlt, das konnten wir erledigen! Sie ist 13 Jahre alt, geht in die 7. Klasse und spritzt ein 16h-Stunden Insulin mit einem längerwirkenden Mahlzeiteninsulin. Ihr Hba1c war 13,3%. Kennengelernt haben wir sie 2012. Wir werden ihr ein Smartphone besorgen, damit sie in unseren WhatApp-Familienchat kommt. Sonst war sie heute ein wenig schüchtern...



Kumba Bah

Kumba Bah ist 13 Jahre alt, aktueller HbA1c-Wert 11.3%. Auch sie haben wir in der Schule erreicht.




Am Nachmittag hat uns Ousman Jammeh (früher Pflegedienstleiter im staatlichen Krankenhaus in Banjul) im Hotel besucht. Isatou Jallow hat ihr restliches Geld für den Kurs erhalten. Später am Abend kam Eliman, dann Dr. Gaye. Immer was los!





Dienstag, 21.11.


Heute Morgen kamen etliche Besucher und viele Telefongespräche rein....
Am Nachmittag sind wir in die Familie von Basiru. Kiney, seine Mutter, spritzt ihm das Insulin und misst seinen Zucker. Als wir ins Messgerät geschaut haben, waren wir ein wenig entsetzt: den ganzen Oktober bis zum 13.11. keine Werte drin! Beim Zuckermessen dann "Hi"! Basiru ist 7 Jahre alt und hat sein Leben noch vor sich!
(Basiru hat einen harten Bauch. Den haben wir in der Afrimed Klinik am 30.11. untersuchen lassen, die Sono war mal ohne Befund!)

Am Abend haben wir uns in Kololi mit Brigitte und Alieu im "Blue Kitchen" getroffen. Und auch Anja war dabei. Sie arbeitet immer noch in der Afrimed-Klinik in Kololi. Da hätte es sogar Bratwurst mit Sauerkraut und Kartoffelpüree gegeben...wollte aber niemand.




Was wäre denn die Welt ohne WiFi?????





Mittwoch, 22.11. - Abreisetag - und 23.11.


Heute haben wir es uns allen nochmals gut gehen lassen. Erst mal Koffer packen, dann an den Strand, Fruchteller, Massage, Zucker messen, mit Besuchern schwätzen.
Abley, der Fahrer von Dr. Gaye, hat uns diesmal schon um 16.45h abgeholt. Denn auf dem Weg zum Flughafen ist immer dichterer Verkehr - und Stau - wir sind nicht auf der Hauptstraße geblieben. Um 17.50h waren wir dort...
Der Heimflug verlief bis auf einen "Zwischenfall" nach Plan. Wir mussten in Teneriffa zwischenlanden, eine schwarze Dame hatte sich entschlossen, im Flieger ihre Zwillinge zur Welt zu bringen...

So, das war es für dieses Mal. Anregungen, Kritik, Lob, Spenden wie immer ans Projekt...bitte schreibt doch mal an uns.

Übrigens: unsere nächste Reise planen wir für Anfang Mai 2018.

euer Roland mit Team



nach oben


(C) 2011 - Alle Rechte vorbehalten

Diese Seite drucken