März 2013

Reisebericht 22. März bis 9. April


Das wisst ihr ja schon: wer nach The Gambia will, muss früh aufstehen! Silvia, Lucas und Lars sind von Laupheim aus mit dem Zug gestartet, Gudrun und Roland von Storzingen Hauptbahnhof. Auch wenn es so aussiehst, wir sind in der Holzklasse gereist!
Bei 18 Tagen Aufenthalt hat der Bearbeiter der Homepage einige Tage zusammengefasst, vielleicht habt ihr so wieder mehr Freude, den Reisebericht komplett zu lesen!



Die Zugverbindung war pünktlich, in Stuttgart war die Gruppe komplett. Condor flog von Frankfurt über die Kapverdischen Inseln, Ankunft in Banjul pünktlich um 20.00 Uhr. Dr. Gaye hat uns vom Flughafen abgeholt, wegen des vielen Gepäcks mussten wir noch ein Taxi mieten. Ab ins Bakotu-Hotel, seit November hat sich nichts mehr verändert. Über unser „Empfangskomitee“ Anja (Podolgin/Pakala-Klinik) und Arafang (Badjie, Farmer und Freund in Berending) haben wir uns sehr gefreut!


Die Messtage am 23. und 30. März und 6. April


Sister King, Eliman und Jim (alle Pakala Klinik) hatten alles so organisiert, dass an den Samstagen möglichst alle Insuliner (Typ1er) zu den Messungen und Schulungen kommen, die wir kennen. Also früh aufstehen, zum Frühstück, alles zusammenpacken, was wir so brauchen, incl. der Langzeitzuckerreagenzien.
Um kurz vor 10 Uhr waren wir in der Klinik. Wie immer: einige waren schon da. Gudrun hatte im Labor, zusammen mit Aminata und Jim, gut zu tun. Zucker messen, Langzeitzuckerwert bestimmen, Körpergewicht, abfragen der derzeitigen Insulindosis, und, das hatten wir noch nie gemacht: Mikroalbuminbestimmung im Urin.
In der Sidebar haben wir mal alle, die an den 3 Tagen kamen, vornamentlich zusammengestellt.




Die Allererste an diesem Tag war Aminata Jammeh. Sie hat zudem noch einen Laptop von uns bekommen. Sie wurde in die Accu-chek smart pix Software eingearbeitet, und konnte so die einzelnen Messgeräte auslesen. Wir haben uns auf die Schulung konzentriert. Silvia war für die Verteilung des Fahrgelds, der Gürtel- und Schultaschen zuständig, Lucas haben wir die tollen Bilder zu verdanken, und Lars war für unser Essen und die Getränke verantwortlich (hatte aber an diesem Tag keine Arbeit mit uns!).






Gudruns Geburtstag am 24. März


Na klar doch, heute ist Gudruns Geburtstag!
"Einen so entspannten Geburtstag hatte ich noch nie!" meinte Gudrun, aber "auch ein wenig langweilig…"
Der Tag lief geruhsam ab, wir sind am schönen Kotu-Strand spazieren gelaufen, am Nachmittag kam Susanne mit Ibrahim noch dazu. Im schönen Leybato-Cafe saßen wir zusammen und haben gefeiert.





25. März, der Container kommt an...


Nun hieß es warten auf den Container! Gleich am Morgen hab ich DB Schenker in Stuttgart angerufen und die Auskunft erhalten, dass unser Container am 24. März um 18 Uhr im Hafen von Banjul angekommen ist. Alaghie Sanjang, Jammeh Foundation for Peace Hospital (ein kleineres, aber gut funktionierendes staatliches Krankenhaus in Serekunda/Bundung), hatte sich um sämtliche Formalitäten gekümmert, und gegen 14 Uhr hieß es: "der Container kommt very very very soon" aus dem Hafen. Das war dann auch so, und mit Alaghie und dem Container-LKW im Schlepptau ging es nach Manjai (in unserer Hotelnähe). Das Lager hatte uns Kwamla Manly-Elliott (Banjul Oxygen Factory) besorgt.
Baba, der Freund und Fischerman von Hilde und Sepp kam mit 7 Kumpel, um beim Ausladen zu helfen, aus der Umgebung des Lagers nochmals etliche Leute. Baba hatte seinen Haufen draußen aufgestapelt, Susannes Hilfsgüter für die Familie Manneh kamen auf den LKW von Kwamla. Das Material für die Klinik von Dr. Gaye haben wir im Container gelassen, sonst wäre das Lager aus allen Nähten geplatzt!
Die nächsten Tage, am Dienstag, Mittwoch, Donnerstag, und Freitag haben wir geschuftet. Die meisten Sachen waren bis dahin verteilt, und am Ostermontag, 1. April, mussten wir die restlichen Sachen ins Bakotu-Hotel nehmen, denn das Lager sollte bis zu diesem Tag geräumt sein.





Ostersonntag, 31. März



Heute war mal wieder ein Tag, an dem wir entspannen konnten...





Ostermontag, 1. April


Kwamla Manly-Elliott war uns mit seinem Kleinbus am Montag behilflich, das Lager in Manjai leer zu machen.
Für den Nachmittag hatten wir uns vorgenommen, die Familie von Sirra, die Jallow’s, in Labakoreh zu besuchen. Wir wollten uns selbst ein Bild über die finanzielle Unterstützung von hilfsbereiten Deutschen machen, und das neue Haus besichtigen.
Das Drama: der Schwester von Sirra, Ramatoulie, ging es nicht gut. Sirra hatte ihr schon einige Tage davor Blutzucker gemessen, und der war "High". Unsere Kontrolle ergab nichts anderes: "High", das heißt, größer als 600! Trotz Ostermontag haben wir Dr. Gaye angerufen, er hat 15 Einheiten Insulin angeordnet, und Gudrun hat Ramatoulie bei ihrer 1. Insulinspritze geholfen. Anschließend haben wir sie in die Pakala-Klinik gebracht.




Wir erinnern uns: im November 2011 konnte das Dach des alten Hauses durch eine private Spende saniert werden, und im November 2012 konnten wir uns davon überzeugen, dass eine Ecke des Hauses eingefallen war. Es wurde dringend Geld benötigt, um es zu reparieren. Eine weitere, für unsere Denkweise im Verein, viel zu hohe Geldspende, gegeben für einen anderen Zweck, hat Vater Jallow dazu veranlasst, das komplette Haus abzureißen, um eine solide Hütte aus Zementsteinen zu errichten. Wohl hat man ihm versichert, dass er keine weitere Spende bekommt und dies eine Einmalzahlung sei!
Dies ist der Zustand am 1. April 2013, und Vater Jallow kann nicht mehr weiter bauen. Es fehlen um die 1500€ für den Dachstuhl, Dachbedeckung, den Außen- und Innenverputz, Estrich, Fenster und Türen.
Die 10köpfige Familie lebt nun zerstreut in drei umliegenden Hütten, und wartet drauf, dass weiter geholfen wird.





2. April



Mal wieder etwas "Freizeit"...Wir hatten uns entschlossen, einen Ausflug in einen kleineren Nationalpark im Südwesten des Senegal zu machen. Also früh aufstehen, denn wir wollten mit der 1. Fähre von Banjul nach Barra übersetzen. Unser Führer Ebrima hat alles gut organisiert, um 7 Uhr saßen wir auf dem vollbesetzten Gerät (die beiden anderen lagen grad im Hafen von Banjul, und warten auf eine dringend notwendige Reparatur).
Etwa 1,5 Stunden dauert die Überfahrt, und im offenen Jeep ging es durch die Savannenlandschaft bis zum 200 Hektar großen ?-Nationalpark. Wie in Gambia, gibt es hier kein Großwild mehr. Dennoch, einige Giraffen, Büffel, Antilopen, mehrere Zebras, Nashörner und Hippos hielten sich um das Wasserloch auf, und sehr beeindruckend war die Vogelwelt auch hier, unsere Silvia hat da ein tolles Auge dafür, etliche Vogelarten zu entdecken.
Ein angenehm entspannter Tag, in Barra mussten wir dann lange auf die einzig verkehrende Fähre warten. Das Risiko, auf einer Bananenschale überzusetzen, wollten wir nicht eingehen! Zum Einsteigen hätten uns schwarze Helfer huckepack ins Boot tragen müssen!!




Aber klar doch: gleich um die Ecke von Hafen ist ja die Pakala-Klinik, und wir haben Sirra und Ramatoulie besucht. Mutter Jallow war nun ebenfalls hier und hat die beiden mit Essen versorgt. Im "Pflegesatz" der Klinik ist die Verpflegung nicht enthalten.
Wir haben dann gleich das Blutzuckermessen geübt, am Mittwoch konnte Ramatoulie gut versorgt wieder nach Hause!





Lunch bei Mama Gaye und Besuch bei Ngoneh


Die Einladung zum Lunch bei der Mama von Dr. Gaye haben wir gerne angenommen. Fast nirgendwo anders wird eine so gute gambianische Küche gekocht wie hier!
Anschließend ging es zu Ngoneh mit Familie gleich um die Ecke, alles scheint ok zu sein, zumindest nach außen…Ndey Fatou hat geheiratet und wohnt im compound nebenan mit ihren Mann, ihr Kind "Roland" (den richtigen Namen haben wir nicht in Erfahrung bringen können…) wird im Juli zwei Jahre alt.
Vater Kutai ist nun fast blind, er hat grauen Star, und kann deshalb nicht mehr arbeiten. Also haben wir seine Operation in der Augenklinik in Kanifing organisiert und auch gleich bezahlt. Am 11. April ist er erfolgreich zunächst an einem Auge operiert worden, das nächste steht Mitte Mai an.





Arafang's Farm


Heute wollten wir raus zu Arafang. Auf dem Weg zu ihm haben wir Petra besucht, die Freundin von Christine. Petra lebt ganz allein in einem Haus im Süden zwischen Gunjur und Medina. Wir finden das sehr mutig.
Die Schulsachen von Hilde und Sepp für die St. James Lower Basic School in Kitty (bei Brikama) haben wir Headmaster David Jatta übergeben, der ebenfalls in Gunjur wohnt.



Das, was wir für Arafang im Container dabei hatten, hatten wir ihm schon letzte Woche gebracht. Er wollte ja seine nun schwangere Ramatoulie am Ostersonntag "offiziell" heiraten, hat uns aber schon bei unserer Ankunft in Gambia gesagt, dass sie wegen gesundheitlicher Probleme in der Klinik sei, und die Hochzeit deshalb verschoben wird, auf unseren nächsten Aufenthalt.
Der Hühnerstall ist fertig, da liefen 45 Hühner rum, die er noch verkaufen muss, nach 7 Wochen wiegt jedes Huhn 2kg. Extra für uns landete eines im Kochtopf als "Chicken Yassa", persönlich gerupft von Gudrun.
Ramatoulie ging es wieder gut, mit ihrem Töchterlein Mariama leben beide bei mit Arafang.
Er hat nun vor, einen zweiten Stall für Legehennen an den Bestehenden anzubauen. Wir haben ihm angeraten, eher nochmals einen zweiten Stall für die Aufzucht von Hühnern zu bauen, denn dann hätte er alle 3 Wochen 50 1,2kg-Hühner zum Verkaufen.
Er erntet immer wieder Honig, hat grad 7 Liter, aber nach wie vor das Problem, dass Termiten seine lokalen und auch unsere "deutschen" Bienenkästen zerfressen.





Anja Rollmann


Natürlich gibt es Anja noch...Sie hat nun dreieinhalb Jahre für Dr. Gaye gearbeitet, und, was die Wundversorgung angeht, viele viele Erfolge zu verzeichnen. Der Schreiber dieser Seite, Roland, weiß sehr wohl, dass die nachfolgenden Bilder für einen Betrachter nicht immer gerne angeschaut werden...
Trotzdem, anhand eines Beispiels einer Behandlung eines Menschen dort dürfen sie sich gerne überzeugen, was durch Fachwissen und Behandlung möglich ist.
Anja hat ihre Arbeit in der Pakala-Klinik zum 31. März 2013 beendet, sie befindet sich derzeit auf Heimaturlaub. Sehr zu unserem Bedauern, und auch der Patienten dort, und ganz gewiss auch von Dr. Alieu Gaye, der ihre Arbeit immer sehr geschätzt hat.
Um die Arbeit in The Gambia weiter führen zu können, sind wir dringend auf der Suche nach einem finanziellen Sponsor, der das Anja Rollmann-Projekt weiter unterstützt!



Wundbehandlung

Also überzeugen sie sich hier selbst, was möglich ist...
Eine Bitte: wenn sie diese Bilder nicht betrachten möchten, dann scrollen sie einfach weiter. Das 1. Bild ist ein schwarzes Deckblatt, die drei folgenden Bilder sind dann ein Beispiel für eine erfolgreiche Wundbehandlung eines Menschen mit Diabetes.





Jammeh Foundation for Peace Hospital


Alaghie Sanyang, der unseren Container aus dem Hafen befreit hat, arbeitet als Einkaufsmanager im "Jammeh Foundation for Peace Hospital". Er wollte uns diese Klinik zeigen, haben wir gerne gemacht. Ein kleineres, gut funktionierendes Krankenhaus in Bundung (Serrekunda), das wir nun mit Accu-chek active und Teststreifen versorgt haben. Vier verschiedene Messgeräte verschiedener Hersteller waren im Einsatz, und die Versorgung mit diesen Streifen mangelhaft.





Besuch bei Amie Colley in Abuko



Dazwischen haben wir immer mal wieder Familien mit Diabetikern besucht, Muhammed Willan in Bundung, Adama Lowe in Ibu Town, natürlich Amie Colley, und einige andere mehr. Diese 3 kennen sie schon von den anderen Reiseberichten.





Besuch bei den Manneh's in Brikama


Die Familie von Ibrahim, die Susanne betreut, haben wir in Brikama besucht. Vater Lamin ist vor 2 Jahren gestorben, die Mutter im Herbst 2012. Ibrahim ist nun "Alleinverdiener"!



Ibrahim hat uns gezeigt, wie aufwändig es ist, Cashew-Nüsse aus ihrer Schale zu holen! Übrigens: die rote "Vorfrucht" ist eßbar, und schmeckt super...





Der peinliche Bettenaufbau bei Awa


Nun, wir hatten uns vorgenommen, Awa mit einem Bett zu versorgen (sie lebt ihr Leben im Rollstuhl, und der Verein unterstützt ihre beiden Töchter mit Schulpatenschaften). Gesagt, getan. Es war nicht einfach, den kleinen Compound zu finden, sie lebt in Ibu Town, am Ende der Straßen. Zunächst mussten wir das Schlafzimmer umräumen, dann konnten wir das Bettgestell aufbauen. Dann, oh Schreck: die beiden Lattenroste passten nicht rein, sie waren zu breit und zu lang. Wenigstens haben sie nun 2 Matratzen auf dem Rost, und das Bettunterteil liegt wieder zusammengeklappt auf dem Schrank. Sorry, Awa!





7. und 8. April


Während Silvia, Lucas und Lars einen Zweitagesausflug nach Georgetown gemacht haben, hatten wir am Sonntag noch die Abordnung der Young Gambian Diabetes Association ins Hotel eingeladen. Sie wollten die vor 3 Jahren gegründete Selbsthilfegruppe neu beleben, und wir haben viel darüber diskutiert. Letztendlich sollen Besuche in den Familien gemacht und nach den Blutzuckerwerten geschaut werden, sowie nach dem Essen. Unser Verein wird das finanziell unterstützen, und wir werden sehen, was daraus wird!



Ausflug nach Georgetown: Silvia, Lucas und Lars


Silvia hat über die Zweitagesreise nach Georgetown ein paar Zeilen geschrieben:
Pünktlich um 6:30 Uhr ging die Fahrt los nach Soma. Dort wartete unser 1. Hindernis - die Fähre nach Farafenni. Eine der 3 Fähren ist seit mehreren Wochen, oder doch Monaten?, ausgefallen. Entsprechend lang war die Schlange, der wir uns anschlossen. Getreu dem Motto "Gambia - no Problem" fand unser Guide einen Weg an der Schlange vorbei, und wir konnten mit der nächsten Fähre übersetzen. Unserer Bootsfahrt im Baboon-Nationalpark stand nun nichts mehr im Weg. Freundlich zeigte sich uns ein Krokodil, und 2 Schimpansen-Familien ließen es sich nicht nehmen, ihre nächsten Verwandten zu bestaunen. Auch für die Steinkreise in Wassu blieb noch Zeit, und nach zahlreichen "Bird-Watching" - Stopps (für Lucas und Lars zu viele...) und einigen Pavian-Horden erreichten wir die letzte Fähre nach Georgetown. Am nächsten Tag ging es zurück, vorbei an vielen Reisfeldern und Salzseen, und einigen Stopps, um Vögel zu beobachten.




Nun, ganz oben habe ich versprochen, nur die wichtigsten Dinge auf dieser Seite einzustellen. Es gäbe noch etliches hinzuzufügen. Ihnen oder dir als Leser soll es ja nicht langweilig werden, und wenn sie das, was wir erlebt haben, interessant finden, dann reisen sie doch einfach mal mit!

Euer Roland


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