ReiseberichtFebruar2010
Diabetes-Projekt The Gambia e. V.  
"Hilfe soll bei den Betroffenen in Gambia direkt ankommen"
 
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Februar 2010

 

 

Reisebericht vom 11.  - 26. Februar 2010

 

Das ist neu: eine große Gruppe mit 13 (!) Personen machte sich diesmal auf den Weg nach Gambia, davon waren 7 "Neulinge" dabei. Die Anreise ging vom Flughafen in Stuttgart und von Nürnberg aus, und alle trafen sich dann in Brüssel, um gemeinsam weiter zu reisen.

 

 
So sah es beim Abflug in Brüssel aus: draussen richtig schönes Schmuddelwetter und Minus-Temperaturen,

und drinnen richtig gute Stimmung!

Hintere Reihe von links: Silke, Gudrun, Ines, Moritz, Ingeborg, Lucas, Silvia, Christine, Ilona, vordere Reihe: Sepp, Roland, Bernd, Andreas

Mit nur 1/2 Stunde Verspätung Ankunft in Yundum Airport, bei soviel Gepäck reichen die beiden Autos von Dr. Gaye nicht aus, und wir mussten einen Bus chartern.
Wir hatten unser "Bakotu Hotel" privat gebucht, und am nächsten Tag, Freitag, mussten wir für die nächsten 6 Tage erst Mal ins "Kombo Beach" gegenüber umziehen.

Anders als im Bakotu ist das Kombo Beach halt mit eher kasernenartigen Blocks gebaut, aber ausgehalten haben wir es trotzdem...

Hier ein besonders schönes Bild vom Hotel.

und am Abend dann ins "Paradise", ein immer noch uriges, kleines und eher einfaches Restaurant, nur ein paar Minuten zu Fuß vom Hotel, direkt am Strand gelegen.
Die "Messtage", diesmal am Samstag, 13.2., und am Freitag, 22.2., sind immer was ganz besonders, denn wir freuen uns, wenn wir die allermeisten Betroffenen wiedersehen. Es wird fleissig Blutzucker gemessen, Langzeitzucker und das Körpergewicht, der Stimmgabeltest fortgesetzt (links im Vordergrund bei Aminata), und Amie Colley hat ihr Langzeitzucker-ergebnis nochmals verbessert: 6,0%!!
Allerdings: es treten bei einer so straffen Ein-stellung (was sie ganz alleine hinbekommen hat) vermehrt Unterzuckerungen auf, ein Anlass, den Ausdruck zu besprechen, hier zusammen mit Isatou (Umstellung auf ICT im November) Und unser fleissiger Helfer, Eliman, ist natürlich auch dabei! Lamin Dibba spielt schon immer eine große Rolle unter den Diabetikerpersonen, ist er doch mittlerweile der Vorsitzende der "Young Gambian Diabetic Association".

 

 

Ok, keine positive Nachricht vom Container, noch "no problem", dorthin wollten wir schon immer: ein Ausflug am Montag nach James Island, der Sklaveninsel mitten im Gambia River!

James Island war von Anfang an (als im 16. Jahrhundert die ersten Europäer den Gambia-Fluss befuhren) eine durch die Lage mitten im Gambia River gelegene Insel von großer Bedeutung. Schon Anfang des 17. Jahrhunderts ließ Herzog Jakob Kettler (der Enkel des letzten Deutschordensmeisters) auf der nur 3500 Quadratmeter großen Insel eine Niederlassung bauen.

Wenn sie mehr über James Island erfahren möchten, klicken sie bitte hier!

 

Etwa 30 km von der Küstenlinie entfernt liegt James Island (ungefähre Lage: schwarzer Punkt im Bild) mitten im Gambia River Zuvor jedoch muss von Banjul aus mit der Fähre nach Barra übergesetzt werden, und das dauert etwa 1,5 Stunden. Es wird alles mitgenommen, ist es weit und breit die einzige Möglichkeit, ans Nordufer zu kommen. 3 km auf einer befestigten Straße, dann gehts rechts ab, und 25km auf einer "dancing road", das ist für einige von uns nicht gut verträglich...
Mit einer Piroge wird übergesetzt, natürlich gibt es Schwimmwesten für alle, und wir nähern uns dann nach 15 Minuten Fahrt der Insel. Über diese Insel soll Kunta Kinte (die Leitfigur von Alex Haileys Buch: "Wurzeln" oder "Roots") als Sklave nach Maryland /USA gebracht worden sein. Seit 2003 zählt dieses geschichtsträchtige Fleckchen Erde zum UNESCO-Weltkultur-erbe, und die Ruinen des Forts von 1755 sind deutlich erkennbar.
Unser Reisebegleiter erklärt uns die markanten Punkte, hier sind wir in einem engen Raum, in dem meuternde Sklaven eingepfercht wurden und auf ihren Abtransport warten mussten. Ob diese alten Kanonen noch aus dieser Zeit stammen, war nicht zu ergründen! Hier soll vor langer Zeit der "Bürgermeister" seine Residenz gehabt haben...
Auf der Rückfahrt mussten wir Wasser schöpfen, denn der Wind kam vom Atlantik und machte die Rückkehr zum Ufer fast zu einem Abenteuer... Nach Juffure, dem Ort, wo Kunta Kinte geboren worden sein soll und aufgewachsen ist, sind es nur ein paar Kilometer.  

 

Und das ist die neue Selbsthilfegruppe "Young Gambian Diabetic Association", die sich um Lamin Dibba gegründet hat. Am Sonntag gab es ein informelles Treffen im Kombo Beach Hotel.

Im Bereich "Dokumente" finden sie das von der Gruppe ausgearbeitete Strategiepapier. Sie treffen sich 1x/Monat (die möglichst ganze Gruppe, nicht nur der Vorstand), um ihre Erfahrungen auszutauschen.

Unsere Hoffnung ist groß, denn bei der wachsenden Anzahl von "Patienten" ist es nicht mehr möglich, mit jedem Einzelnen zu sprechen!!

Lamin Dibba, Präsident Amie Colley, Vizepräsidentin
Amadou Barry, Berater und Pressearbeit Maimuna Bojang, Rechnungsprüfung Yasira Njie,
Lamin Badjie, Berater Roland Schindler im Gespräch mit Rohey Njie und Amadou Barry. Die Schwester von Rohey ist im September 2008 an einer Ketoacidose verstorben. Peter Jarju , Pressearbeit

 

Unser Container, den wir in Stetten am 8.1.2010 beladen hatten, wurde am darauffolgenden Montag abgeholt und nach Mannheim gebracht. Dort war der Kran eingefroren, der ihn auf das Schiff nach Antwerpen hätte laden müssen. So war schon mal 1 Woche Verspätung drin, neue Ankunftszeit in Gambia: 13.2., also am Samstag. Am Dienstagabend, 16.2., erhielten wir dann den Anruf, dass unser Container nicht aufzufinden sei. Nicht angekommen? In einem anderen Hafen abgeladen?

Jedenfalls, wir alle haben uns schon große Sorgen gemacht......

Am Mittwoch war die Welt gedreht: Container im Hafen "irgendwo" aufgefunden, und Lamin Gaye, einer der Hafenmeister und der Bruder von Dr. Alieu Gaye, hat es fertig gebracht, innerhalb von nur 5 Stunden den Container frei zu bekommen. Denn: am nächsten Tag war "Independence Day", ein Feiertag in The Gambia!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

   
Am Mittwochnachmittag gegen 16 Uhr rollte der Truck dann vor die Klinik von Dr. Alieu Gaye, die Türen wurden geöffnet, und dann ging es ans Ausladen: die Krankenhausküche von Hilde und Sepp, Büroeinrichtung, und viel weiteres für die Klinik bestimmtes Material wurde ausgeladen.
Naja, das kann schief gehen? Ausladen der Klinikbetten Unter den prüfenden Augen von Lamin Gaye (hinten) und Dr. Gaye (vorne) hat die ganze Reisegruppe geschuftet,
und bei 35 Grad war bald ein Drittel ausgeladen. Hier ein Blick in die Klinik. Die "Reste" wurden wieder verladen,
und dann gings nach Kotu, wo wir nur ein paar Gehminuten vom Hotel entfernt ... einen tollen Lagerraum gefunden haben. Der Container wurde leer gemacht, und so gegen 19.30 Uhr war alles "erledigt".

 

Am nächsten Tag konnten wir die neue Klinik besichtigen, die Mitte bis Ende März eröffnet werden soll. Die Betten und Büroschränke wurden aufgebaut, und den Einbau der Küche haben Sepp, Bernd und Andreas erledigt.

Hier ist der Grundriss des Erdgeschosses der neuen Klinik . Dr. Gaye zeigt uns die Klinik... hier den Eingangsbereich ...
die Krankenzimmer... und hier ein Blick auf die neuen Betten. Zum Lunch waren wir bei seiner Mutter (links im Bild) eingeladen.

 

Für Amie Colley (seit 2003 hat sie Typ1-Diabetes), unsere Schneiderin, haben wir erneut in Deutschland Nähmaschinen gesammelt, sie wollte unbedingt welche, die Zickzack nähen können! 5 mechanische und 3 elektrische Maschinen haben wir ihr mit dem Container nach Gambia gebracht, und den LKW hat uns freundlicherweise wieder Mr. Manly-Elliott, Banjul Oxygen Factory, kostenlos für alle unsere Transporte zur Verfügung gestellt.

 

Hier sind wir beim Abladen des Materials. Zeitweise waren wir von über 40 Kindern umringt. Ines verteilt ein paar Süßigkeiten.
Hier macht das Gudrun, da stürmen alle Kinder heran. Dieser Tisch stammt aus Stetten a.k.M. Silke und Gudrun beim Kinder hüten...
                           

Das Bild zeigt unsere überglückliche Amie in ihrer Nähstube. Nun kann sie richtig loslegen, denn "Kleider für die gambianischen Damen müssen Verzierungen haben, und das konnte ich mit meinen bisherigen Maschinen nicht anbieten".

Es gab für uns Gäste einen richtig guten Lunch...

Und Gudrun stand Schmiere an der local toilet, für die Nutzer innen drin nichts einfaches! Wer sitzt da wohl drin??
     

 

Und wie geht es unserer Patenfamilie Ngoneh mit Familie? Eine zufällige, aber dramatische Entdeckung....

 

Ngonehs Fuß ist dank der Pflege von Anja, unserer Podologin, bestens verheilt. Fast schon zufällig, weil immer, wenn wir da sind, auch Zucker gemessen wird: Amie, die jüngere Tochter (rechts im Bild), wurde ebenfalls Zucker gemessen. Das Ergebnis: 433mg, nach dem Hände waschen identischer Wert, das wusste niemand!!! Wir sind gleich um die Ecke in die Klinik zu Dr. Gaye, dort wurde sie mit Insulin versorgt, die Langzeitzuckermessung ergab 13,7%. Schon ein Schock für Amie...

Bild links: Ndey Fatou, Ines, Ngoneh und Amie; Bild mitte: Ilona, Ngoneh, Gudrun, Chrsitine; Bild rechts: Gudrun mit Ngoneh.

 

Am Samstag, 20. Februar, haben wir alle Typ1er zum Workshop eingeladen. Ziel war es, die wichtigen Dinge im Diabetesleben zu üben, zu wiederholen und zu vertiefen.

 

Wir wollten eigentlich um 14 Uhr starten, aber bis dann alle da waren, vergehen noch ein paar Minuten, Dr. Gaye war auch dabei,.. hier mit unserem Starfotograf Lucas, und Ingeborg beim Fachsimpeln mit Alieu.
Bildmitte: Amie, die Tochter von Ngoneh, kam natürlich auch... und so gegen 15 Uhr gings dann los, mit dem Schulungsprogramm, Lamin (Dibba) macht die Einführung mit dem Kapitel "your body needs insulin"
Amadou (Barry) hilft beim Erklären der richti-gen Insulinhandhabung mit Pen und Eimalspritze Im Bild: Aminata Jammeh, Sira Jallow, Isatou Jallow Im Bild: alle Teilnehmer des Workshops

 

Was gibt es neues bei Arafang, dem Imker? Mittlerweile hat er alle Bienenstöcke aufgestellt, und alle sind besiedelt. Er möchte Ende März mit seinem Job als Nachtwächter aufhören, um sich voll seinem Projekt zu widmen.

 

Sein Haus ist komplett fertig gestellt. Zwei Wassertanks (je 1 für Haus und Garten sind installiert, es fehlen noch die Leitungen. Die Bienenstöcke stehen unter riesigen und  schattenspendenden Mahagoni-Bäumen.
Tisch und Stühle haben Familie Garske-Gaupp mitgegeben. Hier wird fleissig aufgebaut. Und der Schrank stammt von Familie Stolz aus Storzingen.
Gudrun inspiziert die Bananenplantage, die Stückzahl ist auf 80 angewachsen. Zum Abschluss gabs Lunch: Erdnusssuppe mit Reis und Fisch. Arafang, hier mit der von Gudruns Vater (Opa Weigelt) gespendeten vollen Werkzeugkiste.

 

Am Montag, den 22. Februar, haben Ingeborg und Silvia im Auftrag von Dr. Gaye einen Workshop organisert, mit noch nicht ausgebildeten Damen, die sich für den Beruf als Pflegekräfte interessieren.

Training von Blutdruckmessen, Grundlagen Ernährung mit den Lebensmittelkarten... und u.a. die Technik des Insulinspritzes wird geübt. Hier die Gruppe des Workshops.

 

Alle, die eine Patenschaft übernommen haben, haben sich ganz liebevoll um die Betroffenen gekümmert, allen voran Ilona und Bernd, Andreas, Silke, Ines, Sepp, Christine und Moritz.

 

Bernd mit Tochter von Awa, Fatou Kah Ilona mit Awa's Tochter Yanierr Schule von Fatou
Moritz Der Schulleiter wird mit allerlei Schulmaterial versorgt Ilona mit Yanierr
Bei Awa Kah im neuen Zuhause Bernd mit Ebrima Joof Christine mit Adama Lowe
Ilona und Bernd mit Ajie Mamie Gay + Vater Ilona und Ebrima, mit Tochter Haddy Moritz, Chrsitine und Amadou Barry
Lamin Dibba und Andreas Kotz Silke und Ines mit Haddy im Hotelpool Die kleine Haddy war noch nie am Meer!

 

Eine Patenschaft zu haben, ist für einen Betroffenen (Diabetiker) von großer Bedeutung. Eine Therapie mit Insulin kostet pro Jahr im Schnitt ca. 150-350 €, je nachdem, welcher Art diese Therapie ist. Natürlich ist eine ICT-Therapie teurer, aber alle, die umgestellt sind, haben gute oder sich bessernde Blutzucker- und Langzeitzuckerwerte.

Die Kosten für 3 Blutzuckermessungen pro Tag belaufen sich nochmals auf 240 €, eine ICT-Therapie kostet also in Summe etwa 550€!

 

  Ines und Silke mit Zainab Jabang

 

Und Anja, "unsere" Podologin, arbeitet seit Oktober 2009 in der Klinik von Dr. Gaye. Was zuerst ein fast zaghaftes Projekt unse-res Vereins war, hat sich für sie zu einem Vollzeitjob entwickelt, und als zusätzliches Standbein für die Klinik.

Anja leistet eine wirklich tolle Arbeit, und sie bekommt von allen Seiten Anerkennung und Lob, das sie wohl verdient. Die Versorgung mit dem benötigtem Material ist sicher gestellt.

 

Hier ist der Arbeitsplatz von Anja (Rollmann), im vierten Raum der Klinik von Dr. Alieu Gaye. sitzt sie auf einem kleinen Schemel und behandelt die Patienten. Behandlung von Nagelpilz.
                                                       
Nach dem Umzug in die neue Klinik wird sie sich ausbreiten können, wir haben für sie im Container einen podologischen Behandungsstuhl mitgebracht.

 

 

Im Bild von links nach rechts, hintere Reihe:

Dr. Alieu Gaye, Bernd, Ines, Anja, Silke, Gudrun, Silvia, Buy, vorne: Lucas, Ilona,Andreas, Ingeborg, Fatou, Sepp.

Und dann heisst es Abschied nehmen. Klar, es gäbe noch viel über kleine und große Ereignisse zu berichten!

Nun denn, wir hoffen, dass der Leser dieser Seite einen guten Eindruck bekommen hat, was die ganze Gruppe beim Aufenthalt geleistet hat.

   

 

 

 

 

 

 

 

 
 

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